Urlaubszeit – aber wir lassen Sie nicht ohne frische Impulse: In dieser kurzen Sonderfolge werfen wir einen Blick zurück auf unsere Episode zum Thema Künstliche Intelligenz in der Gefäßchirurgie. Die Folge mit Professor Dr. med. Martin Hirsch hat viel Input geliefert – und sorgt bis heute für Diskussionen, Rückfragen und Aha-Momente.
Zwei zentrale Hörerfragen greifen wir in diesem Sommer-Recap auf:
Antworten gibt es von PD Dr. Barbara Rantner, die das Gespräch mit Professor Hirsch geführt hat – reflektiert, klar und mit Blick auf die Praxis. Eine kompakte Sonderfolge für alle, die dranbleiben und mitdenken – auch in der Sommerpause.
Themen in dieser Episode:
- Kann eine KI wirklich empathischer kommunizieren als echte Ärztinnen und Ärzte?
- Gibt es die KI-Kabinen in der Notaufnahme bereits – oder ist das Zukunftsmusik?
Fragen oder Feedback?
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Intro & Begrüßung
Richter: „Herzlich willkommen zu einer kleinen Sonderfolge von Gefäße im Fokus. Mein Name ist Michaela Richter – und vielleicht wundern Sie sich, warum Sie heute nicht wie gewohnt die Stimmen von Dr. Barbara Rantner oder Prof. Farzin Adili hören.
Ich arbeite in der Produktion des Podcasts und bin üblicherweise eher im Hintergrund unterwegs, das heißt sonst eher nicht zu hören. Weil unsere beiden Moderator:innen jedoch in einer kleinen, wohlverdienten Sommerpause sind, übernehme ich heute stellvertretend das Mikrofon.
Keine Sorge: Auch wenn es heute keine neue Interviewfolge gibt, möchten wir Ihnen trotzdem etwas mit auf den Weg geben.
Denn auf die letzte Folge, die letzte Episode zum Thema künstliche Intelligenz haben uns verschiedene Fragen von Ihnen erreicht. Zwei davon möchten wir heute aufgreifen. Und die Antworten, die kommen, wie gewohnt, von Dr. Barbara Rantner, die das Gespräch mit Prof. Martin Hirsch geführt hat.
Falls Sie die Folge noch nicht gehört habe, dann gehen Sie noch einmal kurz zurück, wie verlinken Ihnen auch die Folge in den Shownotes der Episode und hören dort zuerst rein, bevor Sie jetzt hier weiterhören.
Die erste Frage, die uns gleich mehrfach erreicht hat, war: „Kann eine künstliche Intelligenz wirklich empathischer kommunizieren als echte Ärztinnen und Ärzte?“ Klingt erstmal sehr provokant – Frau Dr. Rantner, was sagen Sie dazu?
Rantner: „Ja, das hat mich ehrlich gesagt selbst beschäftigt und auch betroffen gemacht. Mein erster Gedanke während des Interviews und Gesprächs war, dass das die totale Kapitulation für die Menschheit darstellt, wenn Avatare, sprich künstliche Intelligenz von meinem gegenüber als empathischer und sympathischer wahrgenommen werden als ein Mensch aus Fleisch und Blut, sozusagen. Prof. Hirsch hat im Gespräch erzählt, dass KI-Systeme aber tatsächlich manchmal so wahrgenommen werden – etwa weil sie zugewandter sprechen, sich mehr Zeit lassen und auch keine Ungeduld zeigen.
Das liegt natürlich nicht daran, dass sie wirklich fühlen können – sondern daran, dass wir im Berufsalltag sehr häufig unter massivem Zeitdruck stehen, überlastet wirken und auch sind und sich das natürlich auch auf die Patienten überträgt. Alle spüren das und deswegen ist es vermutlich nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Prof. Hirsch hat darauf hingewiesen, dass Empathie in der Ausbildung bisher zu wenig systematisch vermittelt wird. Man möchte vielleicht einmal die Begriffe von Nächstenliebe und Fürsorge in den Mund nehmen und seine Botschaft war in dem Zusammenhang sehr klar: Er meinte, wir sollten uns gerade jetzt aktiv mit Kommunikation und Einfühlungsvermögen beschäftigen, die Jungen auch dahingehend schulen und ausbilden – und nicht hoffen, dass Technik das für uns in Zukunft übernehmen wird.“
Richter: Eine weitere Frage war: „Gibt es wirklich schon diese KI-Kabinen, von denen in der letzten Folge die Rede war – oder ist genau das die Zukunftsmusik von morgen?“
Rantner: Nein, das ist keine Zukunftsmusik, sondern diese Avatare in der Notaufnahme wurden zumindest in Marburg schon im Pilotprojekt angewendet. Prof. Hirsch hat ja erzählt, dass Kabinen mit Avataren ausgestattet waren, ganz unterschiedliche Patientengruppen, die in Notaufnahme gekommen sind, damit untersucht worden sind. Diese KI-Systeme sind auch in der Lage, die Vitalparameter parallel zum Gespräch zu erfassen und das Ganze wurde also von den Teilnehmenden sehr, sehr gut angenommen. Er hat darauf hingewiesen, dass eben bewusst ganz unterschiedliche Altersgruppen eingeschlossen worden in dieses Pilotprojekt. Von jung bis alt, also 17 bis 85, wenn ich mich recht erinnere, fanden das die Teilnehmenden als sehr ansprechend und angenehm.
Die Technologie dafür, um das flächendeckend zu verbreiten, wäre schon da, so hat es Prof. Hirsch in unserem Gespräch dargestellt. Die gesetzlichen Regularien hierzu müssten natürlich noch geklärt werden. Und zusammenfassend wird es schon so sein, dass KI nicht gänzlich Ärztinnen und Ärzte ersetzen kann. Aber sie kann entlasten. Und gerade in Zeiten von Personalknappheit und überfüllten Notaufnahmen ist das eine sehr spannende und vielversprechende Entwicklung – und vielleicht oder hoffentlich wird das auch fester Bestandteil im Klinikalltag in absehbarer Zeit sein.
Richter: Und das, liebe Hörerinnen und Hörer, das war unser kleines Sommer-Update – mit einem Rückblick auf Ihre Fragen zu unserer KI-Folge. Vielen Dank an dieser Stelle und viele Grüße an Dr. Barbara Rantner für die spannenden Einblicke.
Wir bereiten jetzt schon die nächste reguläre Folge vor und wir würden uns sehr freuen, wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, am 8. September wieder mit einschalten. Dann geht es mit einem neuen Thema und mit frischer Stimme wieder weiter.
Wenn Sie Fragen oder Themenwünsche haben, dann schreiben Sie uns jederzeit gern. Alle Informationen dazu finden Sie wie immer auf der Website der DGG oder melden sich einfach gerne unter der E-Mail podcasts(at)medizinkommunikation.org
Wir wünschen Ihnen also bis dahin eine gute Zeit – egal, ob in der Klinik, auf Station oder vielleicht auch im Urlaub.
Bleiben Sie interessiert – und bleiben Sie gesund.