Pressemitteilung

Gefährliche Kombination: Sommerhitze und Gefäßerkrankungen DGG rät zur Vorsicht bei Lagerung von Medikamenten

Gefährliche Kombination: Sommerhitze und Gefäßerkrankungen – DGG rät zur Vorsicht bei Lagerung von Medikamenten.

Berlin – Starke Hitzeperioden stellen für Menschen mit Gefäßerkrankungen eine ernsthafte Gesundheitsgefahr dar. Neben Kreislaufproblemen und der Gefahr von Thrombosen oder Schlaganfällen kann die Sommerhitze auch die Wirkung wichtiger Medikamente verändern. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) warnt zum bundesweiten Hitzeaktionstag am 4. Juni 2025 vor Risiken und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Viele der Arzneimittel, die Patientinnen und Patienten mit Gefäßerkrankungen regelmäßig einnehmen müssen, sind temperaturempfindlich. „Bei Temperaturen über 25 Grad Celsius kann sich die chemische Stabilität von Medikamenten verändern – sie wirken dann möglicherweise nicht mehr wie vorgesehen“, erklärt Professor Dr. med. Irene Hinterseher, Gefäßchirurgin am Universitätsklinikum RuppinBrandenburg der Medizinischen Hochschule Brandenburg und Mitglied der DGG. Kritisch sei dies bei Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS), neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK), Clopidogrel, Ramipril, Betablockern oder Diuretika. Auch Insulin, das im Kühlschrank gelagert werden sollte, ist empfindlich. Nach dem Öffnen darf es maximal 28 Tage bei Temperaturen bis 30 Grad Celsius verwendet werden. 

Medikamente vor Sonne schützen – kurzfristig auch im Kühlschrank 

In vielen Haushalten lagern Medikamente im Badezimmer, in der Küche oder auch auf dem Wohnzimmertisch – Orte, die sich im Sommer stark aufheizen können. Hinterseher warnt: „Schon wenige Stunden direkter Sonneneinstrahlung reichen aus, um die zulässigen Lagertemperaturen deutlich zu überschreiten und damit möglicherweise die chemische Stabilität zu verändern.“ Arzneien, die bei Raumtemperatur von 15 bis 25 Grad Celsius gelagert werden sollen, sind bei anhaltenden Hitzeperioden besser im kühlen Schlafzimmerschrank, im sonnengeschützten Flur oder auch kurzfristig im Gemüsefach des Kühlschranks bei 8 Grad Celsius untergebracht. „Um Schäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden, sollten sie dort aber in einer separaten Box lagern“, rät die Brandenburger Gefäßmedizinerin. Hitze verändert Stoffwechsel Hitze beeinflusst jedoch nicht nur die Wirkungsweise von Medikamenten, sondern auch den Stoffwechsel. Der Körper verändert bei hohen Temperaturen die Aufnahme, Verteilung und den Abbau von Wirkstoffen – ganz besonders bei Flüssigkeitsmangel. „Auf diese Weise kann Hitze etwa die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln, von Ramipril oder Diuretika verstärken“, erläutert Hinterseher. Dieser Effekt kann zu Blutdruckabfall, Schwindel oder sogar Ohnmacht führen. „Hitze erhöht aber auch das Risiko für Blutungen bei Clopidogrel, ASS und NOAK“, zählt Hinterseher auf. Auch Psychopharmaka, die bei gefäßkranken Patientinnen und Patienten mit Depressionen eingesetzt werden, können bei Hitze weniger zuverlässig wirken. „Das kann sogar zu Rückfällen führen“, so die DGG-Expertin.

Sich vor Hitzewellen beraten lassen 

Neben Blutdruckabfall und Schwindel können auch Schwäche und Herzrasen Hinweise auf eine hitzebedingte Über- oder Unterdosierung von Medikamenten sein. „Solche Beschwerden müssen ernst genommen werden“, sagt Hinterseher. Wer sich unsicher fühlt, sollte ärztlichen Rat einholen – am besten schon vor Beginn einer angekündigten Hitzewelle. „Es kann sinnvoll sein zu besprechen, ob Medikamente vorübergehend angepasst werden sollten“, meint Hinterseher.

Ältere Gefäßkranke in Städten sind besonders gefährdet 

Besonders hitzegefährdet sind ältere Menschen. Weil ihr Durstgefühl oft vermindert ist, reagiert ihr Organismus besonders empfindlich. „Die Kombination aus Flüssigkeitsmangel, veränderter Blutzusammensetzung, vorgeschädigten Gefäßen und eingeschränkter Mobilität macht ältere Gefäßpatienten und Gefäßpatientinnen bei hohen Temperaturen anfällig für Verschlüsse von Bypässen, Thrombosen und Schlaganfälle“, betont Hinterseher. Noch einmal höher liegt das Risiko für ältere, alleinlebende Gefäßkranke in Städten. „Städtische Hitzeinseln können nachts bis zu zehn Grad wärmer sein als das Umland“, so Hinterseher.

Vorbeugung: Trinken, wiegen, kühlen 

Es sei daher ratsam, sich auf große Hitze einzustellen. Die DGG empfiehlt eine Reihe einfacher Schutzmaßnahmen: 

  • Ausreichend trinken: Zwei bis drei Liter täglich – bevorzugt Wasser, Tee oder Saftschorle, am besten lauwarm. Lassen Sie sich bei Nieren- oder Herzproblemen vorher von Ihrem Hausarzt oder Hausärztin beraten, welche Flüssigkeitsmenge Sie benötigen!
  • Tägliches Wiegen: Ein plötzlicher Gewichtsverlust kann auf Flüssigkeitsmangel hinweisen.
  • Räume kühl halten: Tagsüber abdunkeln, frühmorgens lüften, Ventilatoren nutzen.
  • Medikamente prüfen: Lagerungshinweise auf den Packungen und Beipackzetteln beachten; bei Unsicherheit in der Apotheke oder Arztpraxis nachfragen.
  • Kreislauf beobachten: Blutdruck und Puls regelmäßig kontrollieren und bei Auffälligkeiten ärztlichen Rat einholen.
  • Bei venösen Erkrankungen die Beine hochlagern, um Schwellungen zu vermeiden.
  • Bei venösen Erkrankungen Kompressionsstrümpfe auch bei Hitze nicht weglassen – sie schützen vor offenen Beinen und Thrombosen. Extratipp: Wer stark schwitzt, kann die Strümpfe auch angefeuchtet und nass tragen.

 

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