Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder,
unsere Jahrestagung in Frankfurt liegt nun 14 Tage zurück. Nach Monaten der Vorbereitung war es für mich eine große Freude zu erleben, wie sich das, was wir gemeinsam geplant hatten, mit Leben gefüllt hat. Knapp 1.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, volle Säle, lebhafte Diskussionen und vor allem viele persönliche Begegnungen haben diese vier Tage geprägt. Frankfurt hat mir noch einmal vor Augen geführt, warum sich die Arbeit für unsere Fachgesellschaft lohnt.
Wir sind ein vergleichsweise kleines Fach, aber eines mit einer enormen Breite. Offen und endovaskulär, konservativ und präventiv, hoch technisiert und zugleich sehr handwerklich. Vor allem sind wir eine Gemeinschaft von Menschen, die Verantwortung für schwerkranke Patientinnen und Patienten übernehmen. Diese Identität sollten wir selbstbewusst pflegen und weiterentwickeln.
Danke an alle, die Frankfurt zu diesem besonderen Kongress gemacht haben und sich Tag für Tag für unsere Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin engagieren.
Das sind die Themen meines heutigen Newsletters:
● Was von Frankfurt bleibt
● Sichtbarkeit und besondere Ehrungen
● Gefäßmedizin im Alter – Gemeinsam statt nebeneinander
● Leistungsgruppen: Unsere Position liegt auf dem Tisch
● Hybrid-DRGs: Das System steht wieder zur Disposition
● Vorstandswahl
● Gewinner des DGG-Quiz
● Save the Date: Konvent der leitenden Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen
● Webinar PAVK – jetzt anmelden
Was von Frankfurt bleibt
Das Motto „Heilkunst, Hightech, Exzellenz – Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin gestalten. Jetzt!“ war bewusst als Aufforderung formuliert. In meiner Eröffnungsrede habe ich versucht zu beschreiben, wofür unser Fach heute steht: technologische Innovation, wissenschaftliche Exzellenz, aber ebenso für Erfahrung, Urteilskraft, handwerkliches Können und die Verantwortung für den einzelnen Menschen. Das Programm sollte diese Breite sichtbar machen. Unsere Debatten waren bewusst kontrovers angelegt. Mit dem Gefäßgipfel zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und der Lancet Clinical Series haben wir Prävention, Diagnostik, konservative Therapie und Intervention zusammengedacht. Das Thema wollen wir vertiefen im Webinar, das die Kommission PAVK zusammen mit dem DIGG am 04.11.2026 von 18:00–20:00 Uhr veranstaltet. Zur Anmeldung geht es hier.
Das World Café des Jungen Forums gab dem Nachwuchs Raum für eigene Vorstellungen von Weiterbildung und Zukunft unseres Fachs. Und mit der MaGiC-Kampagne haben wir 46 Studierende früh mit der Gefäßchirurgie in Kontakt gebracht.
Besonders wichtig waren mir persönlich zwei Dinge: der unmittelbare Austausch miteinander und der Mut, neue Formate auszuprobieren. Unsere erste DGG-Team-Trophy hat gezeigt, wie gut anspruchsvolle Fortbildung, Teamgeist und Freude zusammenpassen. Fünf generationsübergreifende Teams traten in Wissenstests und praktischen Aufgaben gegeneinander an. Gamification ist für mich kein Selbstzweck. Richtig eingesetzt schafft sie Aufmerksamkeit, bringt Menschen zusammen und macht Lernen lebendig.
Noch wichtiger waren die vielen Gespräche zwischen den Sitzungen, beim Kaffee, am Abend und einfach auf dem Flur. Eine Fachgesellschaft lebt nicht allein von Leitlinien, Kongressen und Gremien. Sie lebt davon, dass Menschen einander kennen, miteinander reden, unterschiedlicher Meinung sein dürfen und sich dennoch einem gemeinsamen Fach verbunden fühlen. Genau dieses Gefühl habe ich in Frankfurt sehr stark erlebt.
Sichtbarkeit und besondere Ehrungen
Erstmals haben wir in Frankfurt den DGG-Medienpreis verliehen. Gleich bei der Premiere wurden 32 Beiträge eingereicht. Gefäßerkrankungen sind häufig und folgenreich, in der öffentlichen Wahrnehmung aber erstaunlich wenig präsent. Der Medienpreis soll dazu beitragen, das zu ändern.
Eine besondere Freude waren auch die Ernennungen verdienter Kolleginnen und Kollegen zu Ehrenmitgliedern und korrespondierenden Mitgliedern unserer Gesellschaft sowie die Vergabe der Jean-Kunlin-Medaille. Diese Ehrungen stehen für etwas, das mir wichtig ist: Wir wissen, woher unser Fach kommt, und suchen zugleich bewusst die internationale Verbindung.
Ehrungen und Preise im Überblick
Ehrenmitgliedschaft DGG
Prof. Dr. med. Thomas Bürger (Rostock)
Prof. Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen (Frankfurt a.M.)
Korrespondierende Mitgliedschaft DGG
Prof. Dr. Maarit Venermo (Helsinki)
Prof. Dr. Hence J. M. Verhagen (Rotterdam)
Prof. Dr. Anders Wanhainen (Uppsala, Schweden)
Jean-Kunlin-Medaille
Prof. Dr. med. Gerhard Rümenapf (Speyer)
DGG-Medienpreis
1. Platz: Niels Walker
„Schaufensterkrankheit: Ursache, Symptome & Behandlung“, erstmals ausgestrahlt in Visite am 06.02.2024
2. Platz: Kathrin Schwarze-Reiter
„Riss in der Lebensader“, erschienen im stern vom 17.02.2024
3. Platz: Katrin Schulze
„Mehr ist dem Körper nicht zuzumuten“, erschienen im Tagesspiegel vom 30.08.2025
Aortenpreis
PD Dr. med. Panagiotis Doukas (Aachen)
Projekt: Plasma Desmosine Is Elevated in Thoracoabdominal Aortic Aneurysms and Is Associated with Intramural Proteolytic Activity
Wissenschaftspreis
PD Dr. med. Nikolaos Konstantinou (München)
Projekt: Outcomes following Revascularisation for Acute Lower Limb Ischaemia Using
Contemporary Endovascular, Hybrid, or Open Surgical Techniques in a Multicentre,
Retrospective Cohort: The Acute Lower Limb Ischaemia Vascular Outcomes Evaluation
(ALIVE) Registry
Jörg-Vollmar-Preis
PD Dr. med. Dr. rer. nat. Angelos Karlas (Erlangen)
Projekt: Single-capillary endothelial dysfunction resolved by optoacoustic mesoscopy
Promotionsstipendium
Sophia Luise Kollien (Münster)
Untersuchungen der Fettsäurerezeptoren 2 und 3 (FFAR2/3) im Kontext humaner Aortenpathologien
Julius-Springer-Preis
Dr. med. Johannes Hatzl (Heidelberg)
Projekt: Einsatz von Large Language Models (LLMs) in der Gefäßchirurgie: Möglichkeiten und Limitationen
Innovationspreis Pflege und Medizinische Fachberufe
Pia Grasso (Heidelberg): EROP - Erfolg nach Operation
DGG-Posterpreis
1. Platz: Hans Aaron Biederstädt (Neuruppin)
Die ernährungsabhängige TMAO-Konzentration und deren Auswirkungen auf die VEGF-induzierte Angiogenese bei Arteriosklerose
2. Platz: Qvarnaki Suppiyar (Düsseldorf)
How low is too low and how much is too much? Testung von verschiedenen Hypoxiestufen und Infektintervallen in einem standardisierten immunkompetenten 3D in-vitro Wundmodell
3. Platz: Clara Nathrath (München)
Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) im Wundgeruch und deren Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL)
MaGiC-Award
1. Platz: Hanna Buschermöhle (Münster)
Short-Chain Fatty Acids Modulate Endothelial Alignment And Polarization In Human Aortic Endothelial Cells
2. Platz: Chiara Kugel (Düsseldorf)
Einfluss von Scherkräften auf glatte Gefäßmuskelzellen im Hinblick auf zelluläre Seneszenz, sowie die Untersuchung der Wirksamkeit von senolytischen Agenzien
3. Platz: Elena Wilkens (Köln)
OSCE als Lehrinstrument: Langfristiger Einfluss der Implementierung eines gefäßchirurgischen OSCE II Moduls auf die praktischen Kompetenzen von Medizinstudierenden
DGG-Team-Trophy
Team „Aorta Avantgarde“ aus Augsburg: Yvonne Gosslau, Stephan Masius, Viktoria Peters
Gefäßmedizin im Alter – Gemeinsam statt nebeneinander
Unser gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie erarbeitetes Positionspapier „Gefäßmedizin im Alter – ein Aufruf zu strukturierter Kooperation für eine bessere Versorgung“ ist publiziert. Der demografische Wandel verändert unsere Versorgung bereits heute grundlegend. Bei älteren Gefäßpatientinnen und -patienten geht es nicht nur darum, was technisch machbar ist. Frailty, Selbstständigkeit, Lebensqualität und individuelle Behandlungsziele müssen ebenso in unsere Entscheidungen einfließen.
Dass zeitgleich mit unserer Jahrestagung der gemeinsame Kongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Frankfurt stattfand, haben wir für eine Back-to-Back-Veranstaltung genutzt. Solche Begegnungen über die Grenzen der eigenen Fachgesellschaft hinaus wollen wir weiter ausbauen. Gute Gefäßmedizin braucht eine starke Gefäßchirurgie und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Leistungsgruppen: Unsere Position liegt auf dem Tisch
Auch unser Positionspapier zu den gefäßchirurgischen Leistungsgruppen 19 und 20 ist online verfügbar. Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel, Qualität zu stärken, Spezialisierung dort zu fördern, wo sie medizinisch sinnvoll ist, und Gelegenheitsversorgung zu vermeiden. Gleichzeitig wenden wir uns gegen Mindestvorhaltezahlen und Strukturvorgaben, deren konkrete Schwellenwerte wissenschaftlich nicht belastbar begründet sind.
Für mich ist das kein Widerspruch: Gute Krankenhausplanung braucht Konzentration und Spezialisierung. Sie muss aber ebenso Versorgungssicherheit, regionale Erreichbarkeit, Weiterbildung und nachweisbare Ergebnisqualität berücksichtigen. Genau diese Position werden wir auch in den kommenden politischen Gesprächen vertreten.
Hybrid-DRGs: Das System steht wieder zur Disposition
Auch bei den Hybrid-DRGs kommt Bewegung in die gesundheitspolitische Debatte. Nach den derzeitigen Plänen der Regierung soll die spezielle sektorengleiche Vergütung ab 2028 wieder abgeschafft und durch eine neue Vergütungssystematik ersetzt werden; für 2027 wird das bestehende System zunächst fortgeführt. Für uns bleibt entscheidend, dass die notwendige Ambulantisierung chirurgischer Leistungen nicht durch Vergütungsmodelle gesteuert wird, die medizinische Komplexität, Vorhaltekosten und die tatsächlichen Bedingungen operativer Versorgung unzureichend abbilden.
Umso mehr begrüße ich, dass uns ein Gespräch in der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Aussicht gestellt wurde. Wir werden diese Gelegenheit nutzen und unsere Position zur Krankenhausreform, Ambulantisierung und zu den besonderen Anforderungen der Gefäßchirurgie einbringen.
Vorstandswahl
Während der 42. DGG-Jahrestagung in Frankfurt fand die ordentliche Mitgliederversammlung der DGG statt. Dabei wurde der Vorstand gewählt, der ab Januar 2027 seine Arbeit aufnimmt.
Für mich war es die letzte Mitgliederversammlung im Amt des Präsidenten. Ab Januar bleibe ich dem Vorstand als Past-Präsident erhalten. Prof. Dr. Jörg Heckenkamp nahm hingegen letztmalig als Vorstandsmitglied an der Mitgliederversammlung teil; er scheidet zum Jahresende satzungsgemäß aus dem Vorstand aus. Der stehende Applaus unserer Mitglieder bei unserer Verabschiedung bedeutet mir viel – herzlichen Dank dafür!
Neu in den Vorstand gewählt wurde Prof. Dr. Kyriakos Oikonomou als Vertreter der universitären Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen. Diese Position wird frei, da Prof. Dr. Bernhard Dorweiler zum Vizepräsidenten gewählt wurde. Der derzeitige Vizepräsident Prof. Dr. Alexander Oberhuber übernimmt zum Jahreswechsel das Amt des Präsidenten.
In ihren Ämtern bestätigt wurden Dr. Hartmut Görtz als Schatzmeister, Dr. Siamak Pourhassan als Niedergelassenenvertreter, PD Dr. Barbara Rantner als Vertreterin der Ärztinnen und Ärzte in abhängiger dienstlicher Stellung sowie Prof. Dr. Matthias Trenner. Prof. Dr. Christian Reeps bleibt turnusgemäß für weitere zwei Jahre Sekretär der Gesellschaft.
Gratulation an die Gewinner des DGG-Quiz
Zur 42. DGG-Jahrestagung haben wir aus den eingereichten Abstracts mithilfe von KI Multiple-Choice-Fragen generiert, sie von den Abstract-Autoren qualitätssichern lassen und daraus zusammen mit CME-Fragen aus der Zeitschrift „Gefässchirurgie“ ein Quiz erstellt. In unterschiedlichen Gruppen je nach beruflichem Status haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um den Sieg gequizzt.
And the winners are...
● Daniel Dillinger (Gesamtsieg und Sieger der Gruppe Fortgeschrittene)
● Hannah Brookman (Gewinnerin der Gruppe Assistenzärztinnen und Assistenzärzte)
● Assem Utebay (Gewinnerin medizinischer Nachwuchs)
Wir gratulieren herzlich und danken allen Teilnehmenden fürs Mitmachen!
Save the Date: Konvent der leitenden Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen
Der 20. Konvent der leitenden Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen findet vom 22.-23. Januar 2027 im Hotel Palace in Berlin statt. Erneut treffen sich über 200 hochrangige Expertinnen und Experten der Gefäßmedizin und diskutieren u.a. aktuelle Fragen der Weiterbildung, das Themenfeld DRG, Hybrid-DRG und Ambulantisierung sowie die Krankenhausreform.
Webinar PAVK – Unterschätzte Volkskrankheit
Anknüpfend an den Gefäßgipfel zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit auf der Jahrestagung und die Lancet Clinical Series dazu veranstaltet die Kommission PAVK gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Gefäßmedizinische Gesundheitsforschung (DIGG) am Mittwoch, den 04. November 2026, 18:00–20:00 Uhr, ein Webinar zum Thema PAVK – Unterschätzte Volkskrankheit.
„Wieso die PAVK im Schatten anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht und wie wir sie da rausholen.“
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Prof. Dr. med. Farzin Adili
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin