Kommission für Katastrophenmedizin und Gefäßtraumatologie

Die Kommission Katastrophenmedizin und Gefäßtraumatologie wurde im Frühjahr 2013 als Bindeglied zwischen klinischer gefäßmedizinischer Individualmedizin und (prä-)klinischer Traumaversorgung ins Leben gerufen.

Trotz unternommener großer Anstrengungen zur Verbesserung der Versorgung von poly-traumatisierten Patienten ist das Verbluten weiterhin die Todesursache Nummer 1 in der präklinischen Phase nach einem Trauma. Dies führt vor Augen, dass Optimierungsbedarf in der präklinischen als auch klinischen Phase, sei es Behandlung oder Organisation, besteht. Existieren diese Probleme schon im Zuge der Individualmedizin, so möchte man nicht an Großschadensereignisse denken, bei denen eine große Anzahl an Verletzten unter Zeitdruck mit begrenzten Ressourcen zu versorgen sind.
Zivile Großschadensereignisse, Amoklagen und militärische Konflik e der letzten Jahre haben uns vor Augen geführt, dass die Individualmedizin auch in Deutschland und Europa schnell an ihre Grenzen stoßen kann. Hieraus ist ein stärkeres Interesse von Sanitätspersonal, Ärzten, Behörden und Industrie an der medizinischen Versorgung von Gefäßverletzungen entstanden.

Kontakt

Dr. med. Daniel Hinck
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Sektion Gefäßchirurgie
Lesserstr. 180
22049 Hamburg
Tel: 040 6947-1201
Fax: 040 6947-2919
E-Mail: danielchristianhinck [at] bundeswehr.org

 

 

Über das letzte Jahrzehnt haben Hämostyptika und Tourniquet in der präklinischen Hilfe bei schweren Blutungen Einzug erhalten. Neue anästhesiologische Konzepte im Umgang mit Massenblutungen, z.B. der permissiven Hypotonie und in der Behandlung der trauma-induzierten Koagulopathie wurden etabliert. Aber auch chirurgisches Wissen und Techniken, z.B. das Shunten peripherer Gefäße, wurden aus high-volumen Traumakliniken in unsere Kliniken transferiert.

Anhand der traumatischen Blutung zeigt sich, wie eng notwendiger Weise Klinik und Präklinik gemeinsam in der Entwicklung und Etablierung von erfolgreichen Therapienalgorithmen zusammenarbeiten müssen. In dieser Situation bedarf es dem engen Zusammenarbeiten aller Beteiligten im Sinne der Bewertung der Strategien, aber auch des Transfers des Wissens in den jeweiligen Verantwortungsbereiches der beteiligten Institutionen.

Die Kommission „Katastrophenmedizin und Gefäßtraumatologie“ sieht ihre Ziele in der Vermittlung von gefäßchirurgischen Inhalten im Konzept der Damage Control Surgery in Zusammenarbeit mit anderen notfallchirurgischen Arbeitsgemeinschaften. Zudem sieht sie einen weiteren Schwerpunkt in der Bewertung und Absprache von Strategien zur Behandlung der traumatischen Blutung schon im präklinischen Umfeld (z.B. Einsatz von Hämostyptika). Ziel ist die Bündelung von Kompetenzen aus Behörden, Bundeswehr und gefäßchirurgischer Expertise zur Verbesserung der Versorgung bei Großschadensereignissen. Zudem soll ein Wissenstransfer (Kurse, Veröffentlichungen) untereinander stattfinden um eine Verbesserung der Versorgung von traumatisierten Patienten zu gewährleisten.

Erste größere Projekte wurden bereits in die Wege geleitet. Hier sind z.B. die Überarbeitung der AWMF-Leitlinien Gefäßverletzung und die Mitarbeit in der Leitlinienerstellung Polytraumaversorgung durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie zu nennen.
Zudem werden durch Mitglieder der Kommission notfallgefäßchirurgische Kurse betreut, um diese Techniken auch den nicht-gefäßchirurgisch versierten Chirurgen zu vermitteln.

Mittelfristige Ziele der Kommission sind die Verbreitung des Wissens um diese Kommission und deren Unterstützung auch durch bundesdeutsche Behörden.  

Mitglieder der Kommission sind:

  • Dr. med. Daniel Hinck (Hamburg) (Leitung)
  • Dr. med. Michael Engelhardt (Ulm)
  • Prof. Dr. med. Karl-Heinz Orend (Ulm)